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Sans retour possible ist ein in Deutschland bislang nicht vorgeführter, bahnbrechender Dokumentarfilm über das Leben armenischer Menschen, die vor dem türkischen Genozid flüchten mussten oder ihn überlebt haben, und ihrer Nachkommen in Frankreich.

Vor dem Film liest Laura Cwiertnia Passagen aus ihrem Debütroman Auf der Straße heißen wir anders (Klett-Cotta, 2022) und spricht nach dem Film mit Gari Vanisian über die Entstehung und den Hintergrund ihres wegweisenden Werkes und die Verbindungslinien zwischen ihm und Kébadians und Avédikians Film.

Laura Cwiertnia, 1987 als Tochter eines armenischen Vaters und einer deutschen Mutter in Bremen geboren, ist stellvertretende Ressortleiterin bei der ZEIT. Auf der Straße heißen wir anders ist ihr literarisches Debüt.

„Mit diesem Film wollten wir erzählen, warum wir in Frankreich sind. Ich begann in den 1980er Jahren über meine Wurzeln zu sprechen, als die Ernüchterung über die Weltrevolution herrschte. Vor meinem Treffen mit Serge Avédikian gab es das mit meinem Cousin Jean-Claude Kebabdjian, der ein armenisches Dokumentationszentrum gegründet hatte. Eines Tages rief er mich verärgert an, er habe in der Türkei einen Postkartensammler aus den 1900er Jahren gefunden. Da waren plötzlich lebendige Szenen aus dem täglichen Leben der Armenier vor dem Völkermord. Er veröffentlichte dieses Buch mit dem Titel „Armenien 1900“, aus dem ich meinen Film Arménie 1900 [Aufführung am 21.9.] gemacht habe. Es war eine andere Art, über Armenier zu sprechen. Bevor wir der 1,5 Millionen Toten gedachten, lagen wir wie unter Leichenbergen begraben, wir demonstrierten jeden 24. April, um die Anerkennung des Völkermords zu fordern, aber damit hörte es auf.

Der Armenian Audiovisual Association wurde gegründet, um den Film Sans retour possible vorzubereiten. Während unseres Scoutings wurde uns klar, dass die Leute uns so viel zu erzählen hatten. Wir wollten die Interviews nicht inszenieren, sondern haben in einem festen Bild und mittlerer Einstellung gefilmt und den Leuten die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern. Da ich nicht gut Armenisch spreche, war es Serge, der den Dialog eröffnete. Wir drehten den Film auf 16-mm-Umkehrfilm und filmten parallel mit einer vom CNRS geliehenen U-Matic-Kamera, um nie schneiden zu müssen.

„Sans retour possible“ [Ohne mögliche Rückkehr] war der Stempel auf den Pässen unserer Ältesten, ein Staatenlosstatus. Diejenigen, die die Türkei verlassen hatten, konnten nicht mehr zurückkehren, es war eine Möglichkeit, die Armenienfrage zu lösen. Am 24. April 1983 schickten wir Kameras in verschiedene Städte, um diese Gedenkfeier zu filmen. Als wir mit den Dreharbeiten begannen, hatten wir plötzlich den Ehrgeiz, alles am selben Tag festzuhalten. Der Kontext der 1980er Jahre war der einer neuen Generation, die aus dem Mai ’68 kam oder aus dem Libanon. Dieselben Leute, die 1983 die türkische Botschaft in Paris besetzten. Der Angriff von Orly brachte sie später in Verruf, doch es war das erste Mal, dass die Zeitungen plötzlich über den Völkermord an den Armeniern berichteten. Es war diese Generation, die dies herbeigeführt hat. Wir haben nicht unsere Waffen mitgenommen, sondern unsere Kameras. Es war unsere Art zu sagen, dass die Dinge nicht begraben wurden.“
– Jacques Kébadian

Sans retour possible
Frankreich 1983. R.: Jacques Kébadian, Serge Avédikian. 110 Min. DCP (von 16mm). westarmenische und frz. OmeU
Zu Gast: Laura Cwiertnia (Schriftstellerin, Journalistin)

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    So., 8. September 2024 – 20:30 Uhr
    Fr., 20. September 2024 – 18:00 Uhr
    Begrüßung und Einführung (am 8.9.): Gari Vanisian & Ulrike Stiefelmayer / Einführung (am 20.9.): Silvina Der Meguerditchian
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