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María Luisa Bemberg (1922-1995) ist eine Pionierin des weiblichen Filmschaffens in Südamerika und ihres Heimatlandes Argentinien. Als Regisseurin, Drehbuchautorin und Mitgründerin der Unión Feminista Argentina durchbrach Maria Luisa Bemberg die Grenzen einer männerdominierten Welt. Ihre Filme ebneten den Weg für die neue Generation von Filmemacherinnen in Argentinien, darunter etwa die preisgekrönte Regisseurin Lucrecia Martel, die wiederholt auf die Bedeutung von Bemberg für ihr eigenes filmisches Schaffen hingewiesen hat.

Bemberg begann erst im Alter von 58 Jahren mit dem Filmemachen – nachdem sie zuvor zunehmend unzufriedener geworden war über die Umsetzung ihrer Drehbücher durch männliche Autoren – und fand in ihren Filmen zu einem besonderen, scharfen und sensiblen Blick, der die Rolle der Frau in der argentinischen Gesellschaft und überhaupt in männlich dominierten Gesellschaften thematisiert. Sie verstand sich als eine Filmemacherin, die ihre Kunst als politisches und soziales Instrument einsetzte.

Zunächst arbeitete sie als Theaterregisseurin und war Mitbegründerin des Teatro del Globo, eines bekannten und nach wie vor existierenden alternativen Theaters, im Jahr 1968. In den 1970er-Jahren begann sie Drehbücher für Filmregisseure zu schreiben. 

Ihr erster eigener Spielfilm, Momentos, 1981 erschienen, erzählt von der Liebesgeschichte zwischen einer unglücklich verheirateten, kinderlosen Frau und einem 15 Jahre jüngeren Mann, der ebenfalls verheiratet ist. Señora de nadie, nur ein Jahr später realisiert handelt von einer Frau, die feststellen muss, dass ihr Ehemann sie seit Jahren mit anderen Frauen betrügt.

Das Rebellieren gegen Verhältnisse, die die Bewegungsfreiheit von Frauen einschränken, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk Bembergs. Ihr dritter Spielfilm Camila (1984) ist bis heute ihr berühmtester Film, war indes seit Jahrzehnten nicht mehr in Deutschland in einem Kino zu sehen (nachdem er 1984 im Internationalen Forum des Jungen Films seine Premiere hierzuladen hatte). Er inszeniert die tragische Liebesgeschichte einer Aristokratin im Buenos Aires del 19. Jahrhunderts und ihres Priesters. Die Handlung spielt vor dem historischen Hintergrund der Regierungszeit Juan Manuel de Rosas im Argentinien um 1830, dessen Regierung diktatorische Züge trug. Nach der grausamen Zeit der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) war Camila einer der ersten Filme, der in der neuen Demokratie gedreht wurde, und der zweite Film in der Geschichte des argentinischen Kinos, der für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert wurde. Fortan war Bembergs Name sowohl in Argentinien wie auch im Ausland bekannt.

Ihre letzten drei Spielfilme konnte Bemberg daher auch mit internationalen Darsteller*innen realisieren: in Miss Mary spielt Julie Christie die Hauptrollem in Yo, la peor de todas Dominique Sanda und in De eso no se habla besetzte Bemberg den Weltstar Marcello Mastroianni. De eso no se habla, zugleich der letzte Film, den sie zu Lebzeiten selbst realisieren konnte, beginnt mit einem Satz, der das Anliegen ihres ganzen Werkes zusammenfasst: „Allen Menschen gewidmet, die den Mut haben, anders zu sein, um sich selbst zu sein.“

„Ich habe eine Verpflichtung mir selbst gegenüber, eine ethische Verpflichtung, die darin besteht, so weit wie möglich Frauenfiguren zu retten, die ermutigend, kreativ, stark und außergewöhnlich sind, und mich gegen so viel Vulgarität zu wehren, gegen Filme, die von Männern gemacht werden, die im Allgemeinen Klischees sind, die nichts mit der Realität dessen zu tun haben, was wir Frauen wirklich sind”, sagt Bemberg in einem Interview kurz vor ihrem frühen Tod. Sie starb 1995 an einer Krebserkrankung in Buenos Aires. Eines ihrer Drehbücher wurde zwei Jahre später von ihrem früheren Regieassistenten Alejandro Maci noch umgesetzt.

Diese Werkschau der Filme von María Luisa Bemberg, die auch zwei frühe Kurzfilmarbeiten präsentiert, wird die erste in Deutschland sein. 

Die Reihe wird kuratiert und organisiert von Karola Gramann, Heide Schlüpmann und Gary Vanisian (Filmkollektiv Frankfurt).

    Eine gemeinsame Veranstaltung mit:

    Gefördert von:

    Filme der Reihe

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