Mit dem ersten Jahrgang begann Enzio Edschmid 1966 sein Filmstudium an der neu gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). In den Filmen von und mit Enzio Edschmid aus diesen ersten Jahren zeigt sich sowohl die politische Ebene im Geiste der „68er“-Proteste, wie auch ästhetische Qualitäten über experimentelle und poetische Formen. Diese Charakteristiken vom Kampf gegen Autoritäten und Ungerechtigkeit ziehen sich auch im weiteren Verlauf durch das Schaffen von Edschmid als Regisseur – und in filmischen Kollektivarbeiten mit der Gruppe „Arbeit und Film“. Die Filmreihe setzt einen Fokus auf einen bisher fast unbekannten Namen und widmet sich Protest, Arbeitskämpfen und der Frage nach angemessenen Mitteln.
Als Sohn von Elisabeth von Harnier und Kasimir Edschmid wird Enzio Edschmid 1941 geboren und wächst unter anderem in Darmstadt auf. Sein Vater ist als expressionistischer Autor bekannt und während Enzios Aufwachsen Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums in der BRD. An der dffb werden mit Enzio Edschmid insgesamt 35 Studierende angenommen, darunter bekannte Namen wie Harun Farocki, Hartmut Bitomsky, Helke Sander, Wolfgang Petersen – oder Holger Meins. Die starke Politisierung und der Protest gegen Hochschulstrukturen führen schnell zu Konflikten und 1968 zur Aufhebung der Ausbildungsverträge mit 18 Studierenden. Zuletzt widmete sich 2024 eine Ausstellung im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf dem ersten Jahrgang. Inzwischen fast ikonisch für diese Zeit ist der Film Farbtest Rote Fahne, bei der auch Edschmid mit einer roten Fahne in der Hand auf einer Straße Berlins rennt. Daran anknüpfentd ist Edschmid erste Regiearbei: Eine filmische Adaption von Platons Der Tod vom Sokrates. Darin stellen Berliner „Aristokraten“ die Geschichte um Sokrates dar, der angeklagt ist die Jugend zu verderben und die Götter zu verleugnen. Deshalb wird er dazu verurteilt zu sterben. Sokrates nutzt seinen Tod als letzte Lektion für seine Schüler.
Nach dem Studium gründete Enzio Edschmid 1974 das Kollektiv „Arbeit und Film“, zusammen mit seinem Mitstudent Gernot Steinweg, der Schülerin Bina Elisabeth Mohn und der Auszubildenden Petra Vasile in Frankfurt am Main. Als unabhängige Filmgruppe war dabei das Ziel den „Film als Waffe im Arbeitskampf“ zu entwickeln und einzusetzen. Mit Unsere Arbeitsplätze in Speyer müssen bleiben und Wachsam Tag und Nacht gelingt dabei ein Erfolg: der Arbeitskampf bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken (VFW) in Speyer wird gewonnen und die Filme anschließend in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit eingesetzt. 1977 erhielt Letzterer bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen mehrere Auszeichnungen.
Gleichzeitig drehte Edschmid mit einer 8mm-Kamera aus zahlreichen Demonstrationen heraus in Frankfurt. Der Häuserkampf stand dabei ebenso im Fokus wie Proteste gegen die Fahrpreiserhöhung im lokalen Öffentlichen Nahverkehr. Edschmid filmte außerdem Schriftzüge auf Häuserwänden für die Freilassung des inzwischen zum RAF-Mitglied gewordenen Holger Meins, wie auch auf dessen Beerdigung – als ehemals befreundete Person.
Nach einigen Jahren Pause folgten in den 2000er-Jahren Dokumentarfilme, die einen Rückblick auf die vorherige Zeit werfen bzw. diese Themen reflektieren. Hommage an eine Räuberin handelt von Katharina de Fries. Diese beteiligte sich als Mutter von fünf Kindern mit Gleichgesinnten an Überfällen, um für die Kinderbetreuung Geld zu beschaffen. Anschließend floh sie nach Frankreich und bekam dort politisches Asyl. Edschmid zeichnet mit dem Film ein persönliches Bild de Fries an ihrem neuen Lebensstandort. Mit Die ehrbare Sucht fragt Enzio Edschmid, ob Arbeit eine Sucht ist und woher diese kommen könnte. Bilder von Routinen werden durch den Film neu betrachtet.
Die Filme werden weitestgehend auf Filmmaterial gezeigt. Filmgespräche mit Enzio Edschmid und ggf. weiteren Gästen sind geplant.
Kuratiert und organisiert von Valentin Herleth (Filmkollektiv Frankfurt).
In Kooperation mit dem Erinnerungsprojekt „Bibliothek der Generationen“ des Historischen Museum Frankfurt.
FILMPROGRAMM ÜBERSICHT
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