Alfred Schnittke (1934-1998) zählt zu den bedeutendsten und meistgespielten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Biografie und sein Werk gelten dabei als Musterbeispiele für Transnationalität und -kulturalität: als jüdisch-stämmiger, später zum Christentum konvertierter Deutsch-Russe, der zunächst in Moskau, später in Berlin und Hamburg wirkte, war das Gefühl der (kulturellen) Heimatlosigkeit zentraler Aspekt seiner Welterfahrung. In seinem Werk vermengen sich sowjetische und westeuropäische, jüdische und christliche, traditionelle und avantgardistische Einflüsse zu einem Kompositionsprinzip, das er als „Polystilistik“ definierte. Da Schnittkes Musik der sowjetischen Führung zu experimentell war und seine Werke häufig von Aufführungsverboten betroffen waren, musste sich Schnittke auch als Filmkomponist betätigen. Sein reichhaltiges filmmusikalisches Schaffen der 1960er bis 1980er Jahre fungiert als eine Art „Stil-Labor“, das er zur Erprobung polystilistischer Konzepte nutzte und damit das sowjetische Kino dieser Jahre mit einzigartigen Klangwelten bereicherte.
Die Filmreihe des Filmkollektiv Frankfurt möchte elf selten gezeigte Langfilme und zwei Kurzfilme präsentieren, an denen sich Schnittkes Polystilistik, aber auch der Aspekt der Heimatlosigkeit sowie Fragen kultureller Identität am deutlichsten manifestieren. In mehreren Vorträgen werden neben filmmusikhistorischen Besonderheiten auch die zahlreichen Querverbindungen zu seinen berühmten klassischen Kompositionen, wie der Ersten Sinfonie (1971), dem 1. Concerto grosso (1977) oder dem Klavierquintett (1972-76), beleuchtet.
Die Reihe wird kuratiert und organisiert von Sebastian Schwittay (Filmkollektiv Frankfurt e.V.).
Sie folgt der Idee unserer Anfang 2025 durchgeführten, ausgesprochen erfolgreichen Reihe „The Replacement Business – Alternative und abgelehnte Filmmusik in Hollywood“ – ebenfalls realisiert von Sebastian Schwittay –, den im Filmdiskurs vernachlässigten Aspekt der künstlerischen Bedeutung der Filmmusik größere Aufmerksamkeit zu widmen.
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